Maaßenstraße wird keine Begegnungszone

Begegnungszone Maaßenstraße
Simulation: Büro Breimann & Bruun / Reprofoto: Dobberke

Maaßenstraße – eine Begegnungszone, die keine wird

Nollendorfkiez, Nollendorfplatz, Maaßenstraße, BegegnungszoneIch mache das zwar ungern, aber in diesem Fall nehme ich mal einen Teil meines Fazits vorweg: Alter Wein in neuen Schläuchen – nichts anderes ist die Neugestaltung der Maaßenstraße und somit der Versuch, etwas Neues zu etablieren, kläglich gescheitert. Die Krux an der Geschichte ist, dass Begegnungszonen für Wohnstraßen vorgesehen sind. Die Maaßenstraße ist allerdings keine reine Wohnstraße und da ist das ursächliche Problem. 

Unter dem Begriff „Begegnungszone Maaßenstraße“ titelt die Senatverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt den geplanten Umbau der Maaßenstraße. Dabei wird die geplante Begegnungszone in der Maaßenstraße überhaupt keine Begegnungszone.

Am 12. November informierte der Bezirk und die Senatsverwaltung mit einem Stand auf dem Winterfeldtplatz und mit moderierten Spaziergängen über die geplanten Maßnahmen. Der Einladung bin ich gefolgt , habe mich ausführlich mit den Verantwortlichen unterhalten und möchte Euch mit diesem Artikel darüber informieren.

Sehr angenehm fand ich, dass während meines einstündigen Aufenthalts fast ausschließlich Vertreter der Senatsverwaltung anwesend waren – lediglich Frau Schöttler habe ich kurz gesehen – , die sehr bereitwillig, informativ und konstruktiv Auskunft gaben.

Völlig überrascht war ich eingangs über die Aussage, dass die Umbaumaßnahmen der Maaßenstraße überhaupt nichts mit der Anwohnerinitiative „Lärmfreier Nollendorfkiez e.V.“ zu tun haben. Die Umbaumaßnahmen stellen lediglich ein neues Verkehrskonzept dar, welches nun in Berlin – im Bezirk Schöneberg mit der Maaßenstraße als Pilotprojekt – ausprobiert werden soll.

Was ist eine Begegnungszone?

Grundsätzlich ist erstmal zu sagen, dass eine Begegnungszone eine Form der Verkehrsberuhigung ist.

Begegnungszonen sind demnach Straßen in Wohnbereichen, in denen Fußgänger Vortritt vor dem motorisierten Verkehr haben und den gesamten Straßenraum nutzen dürfen. Gleichberechtigung lautet die Idee der Begegnungszonen. Autofahrer und Fußgänger sollen sich in verkehrsberuhigten Straßen miteinander arrangieren und möglichst gleichberechtigt im Verkehr sein.

Nach dem Straßenverkehrsrecht stehen in Deutschland  für reine Wohnstraßen und zentrale Bereiche mit doninierender Aufenthaltsfunktion diverse Instrumente zur Verkehrsberuhigung bereits zur Verfügung. Wir unterscheiden die Bereiche Verkehrsberuhigter Bereich, Tempo 30-Zone sowie Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich.

Das Modell Begegnungszone ist in Deutschland noch weitgehend unbekannt, rechtlich nicht etabliert und nach Standpunkt des ADAC auch nicht sinnvoll, da sich die genannten Instrumente zur Verkehrsberuhigung bewährt haben. Die Einführung von Begegnungszonen in Deutschland verwässern lediglich die bereits etablierten und bewährten Instrumentarien. Der ADAC favorisiert daher anstelle der Einführung eines weiteren Instruments zur Verkehrsberuhigung das Instrument Verkehrsberuhigter Bereich. Dieses Instrument gewährleistet ein niedriges Geschwindigkeitsniveau, Fußgänger können durch Überwege, Mittelinseln /-streifen bevorrechtigt werden.

Bei den Begegnungszonen werden wiederum zwei Anwendungsbereiche unterschieden:
1. ein niveaugleicher Ausbau, der im Falle von anstehenden Neu- und Umbaumaßnahmen in Straßen vorgenommen wird
2. eine Umsetzung mit einfacheren, aber flexibel wählbaren Maßnahmen in bestehenden Wohnstraßen

Durch die weitere Aufteilung der Begegnungszonen nach 1) und 2) werden die Instrumente zur Verkehrsberuhigung noch weiter verwässert. Die Aufteilung nach 1) wird auch Share Space genannt. Hierbei werden durch niveaugleiche oder weich separierte Verkehrsflächen und durch den Abbau von Verkehrszeichen Wohn- und Geschäftsstraßen aufgewertet und die gegenseitige Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer gestärkt.

Da Begegnungszonen bisher deutschlandweit nur unzureichend bekannt und im Straßenverkehrsrecht nicht verankert sind, finden sich nach Auffassung des ADAC gerade nicht-anwohnende Verkehrsteilnehmer mit den diversen, teils aufgeweichten Verkehrberuhigungen nicht zurecht.

Die bisher häufigste Form der Begegnungszone zeichnet sich weniger durch bauliche Veränderungen, sondern vielmehr durch kostengünstige „weiche“ Gestaltungselemente wie auffällige Bodenmarkierungen, Bänke oder Hinweistafeln aus. Um den motorisierten Verkehr für das Miteinander der Verkehrsarten von Anfang an zu sensibilisieren, werden die Eingangsbereiche der Begegnungszonen durch „Torsituationen“ eindeutig hervorgehoben.

Wer hat’s erfunden?

… die Schweizer! Das Modell Begegnungszone kommt ursprünglich aus der Schweiz, die das deutsche Instrument des Verkehrsberuhigten Bereichs nicht kennen. In einem Pilotprojekt wurde das Modell Begegnungszone Mitte der 90iger Jahre erfolgreich getestet. Mittlerweile gibt es in der Schweiz über 200 Begegnungszonen. Die Begegnungszone ist in der Schweiz seitdem das stärkste Mittel zur Verkehrsberuhigung – gleichzusetzen mit dem Verkehrsberuhigten Bereich bei uns Deutschland.

Beim Schweizer Modell haben Fußgänger Vorrang gegenüber dem Fahrverkehr und können die gesamte Fahrbahn queren und nutzen. Die Anlage von Fußübergängerwegen ist nicht gestattet. Kinder können im Seitenbereich spielen. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 20 km/h beschränkt.

Begegnungszonen in Deutschland – Erfahrungen

Nach den positiven Ergebnissen in der Schweiz haben mit Belgien (2005) und Frankreich (2008) zwei weitere europäische Länder die Begegnungszone in ihr Straßenverkehrsrecht übernommen. Neben den bisher bekannten Instrumentarien zur Verkehrsberuhigung wurde mit dem Pilotprojekt einer „Flanierzone“ in Burgdorf ein ähnliches Modell erprobt.

Das Modell der Begegnungszone wurde im Jahr 2008 erstmalig im Frankfurter Nordend, einem gründerzeit-ähnlichen Wohnquartier, getestet. Weitere Begegnungszonen wurden in Deutschland seitdem geschaffen, teilweise mit erheblichen baulichen Veränderungen durch Niveauangleichungen etc., teilweise lediglich durch Veränderung der Straßenführungen und der Schaffung zusätzlicher Querungsbereiche und Bewegungsflächen.

Untersuchungen haben ergeben, dass Begegnungszonen wie im Frankfurter Nordend – und wie bei uns in der Maaßenstraße geplant -, zu keinen nennenswerten Veränderungen geführt haben. Bei Begegnungszonen, die nicht niveaugleich angepasst wurden, lagen die Geschwindigkeiten über 20 km/h. Eine ausgeprägte Nutzung des gesamten Straßenraums durch Fußgänger war – anders als in verkehrsberuhigten Bereichen mit niveaugleichen Mischflächen – nicht feststellbar. Die Frankfurter Begegnungszonen gleichen eher Tempo 30-Zonen. Ein Erfolg hingegen sind allerdings Begegnungszonen, bei denen durch umfangreiche bauliche Veränderungen das Niveau der Flächen angepasst wurden.

Warum wird die Maaßenstraße zur Begegnungszone

Nach der Etablierung von Begegnungszonen in anderen Städten Deutschlands wurde vorrangig seitens der GRÜNEN das Modellprojekt nach Berlin getragen. Wege werden mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln zurück gelegt – das zu Fuß gehen gehört immer dazu. Im Jahr 2011 hat der Senat daher eine Fußgängerstrategie, die diese umweltfreundliche Art der Fortbewegung fördern soll, beschlossen. Insgesamt wurden zehn Modellprojekte mit fußverkehrsfördernden Maßnahmen benannt. Zu dieser Fußverkehrsstragie gehört das Modellprojekt 5, dass sich mit dem Thema „Begegnungszonen“ befasst. Für dieses Modellprojekt konnten sich die Bezirke durch Nennung geeigneter Straßen bewerben. Die Anzahl der Bewerbungen war recht hoch. Durch ein mehrstufiges Auswahlverfahren wurden die beworbenen Straßen sondiert. Auf Initiative der GRÜNEN in unserem Bezirk, insbesondere durch den Bezirksabgeordneten, wurde die Maaßenstraße, neben dem Bergmannkiez und dem Checkpoint Charlie, als Pilotprojekt forciert.

Ziel der Umbaumaßnahmen in der Maaßenstraße

Begegnungszone Maaßenstraße, Nollendorfkiez, Nollendorfplatz, Winterfeldtplatz, Schöneberg, Berlin

  • Verbesserung der Aufenthaltsqualität für alle Nutzer
  • Entwicklung eines breiten, hindernisfreien „Boulevards“ durch den Wegfall der Radwege auf dem Gehweg und durch neu geschaffene Seitenstreifen
  • Erhaltung des Kiezcharakters – Beseitigung von Nutzungskonflikten
  • Einrichtung von Bereichen zum Verweilen und Kommunizieren
  • Einführung eines Regelungskatalogs soll Arbeitshilfe für das Verwaltungshandeln werden

Wie soll das umgesetzt werden? Die geplanten Maßnahmen:

Planung Begegnungszone Maaßenstraße

  • Reduzierung der Geschwindigkeit von Tempo 30 auf Tempo 20
  • Verkürzung des Taxistandes – ggfs. Verlegung in die Bülowstraße
  • Wegfall sämtlicher Parkplätze (ca. 50 Stück) in der Maaßenstraße
  • Rückbau der Radwege vom Gehweg und Verlegung auf die Fahrbahn
  • Aufpflasterung in Höhe der Zufahrt zum Parkplatz
  • auf dem Mittelstreifen am Nollendorfplatz ist eine Aussichtsplattform geplant
  • Nach Einfahrt in die Maaßenstraße Verschwenkung der Fahrbahn in Höhe des Bettenhauses Nordheim/Apotheke am Nollendorfplatz auf die derzeitige Gegenfahrbahn (durch die Verkürzung des Taxistandes möglich)
  • auf der Seite in Höhe der Apotheke am Nollendorfplatz, Café Impala und Maibach werden zwei Ladungszonen für die gesamte (!) Maaßenstraße integriert
  • die bisherige westliche Fahrbahn der Maaßenstraße bis zur Nollendorfstraße entfällt dadurch und soll als neue Bewegungsfläche geschaffen werden
  • der Kreuzungsbereich Maaßenstraße/Nollendorfstraße wird farblich (grün) markiert und mit Querungsstreifen versehen, zudem wird der westliche Kreuzungsbereich neu gestaltet, damit die Nollendorfstraße besser einsehbar ist
  • ab diesem Kreuzungsbereich verschwenkt die Fahrbahn wieder auf die gegenüberliegende Seite bis zum Winterfeldtmarkt
  • weiterer Querungsbereich in Höhe des Restaurants Hasir
  • durch den Entfall der Parkplätze und die Verschwenkung der Fahrbahn, wird die dadurch geschaffene Freifläche auf der östlichen Seite der Maaßenstraße, ebenso neue Bewegungsfläche
  • die neu geschaffenen Bewegungsflächen werden durch Poller abgegrenzt und mit Stadtmobiliar in Form von Sitzbänken aus Metall und Sitzsteinen versehen
  • der Kreuzungsbereich Maaßenstraße/Winterfeldtstraße wird analog dem Kreuzungsbereich Maaßenstraße/Nollendorfstraße farblich gestaltet und mit Querungsstreifen versehen
  • durch den Rückbau der Radwege wird der Gehweg verbreitert
  • wie bisher auch, steht den Gewerbetreibenden ab Häuserfront entgeltlich eine Fläche von 1,50 m für das Aufstellen eigener Fahrradständer und Werbeständer zur Verfügung. Diese Fläche kann entgeltlich auf insgesamt 4,00 m erhöht werden. Für das Aufstellen von Werbeständern und Kundenstoppern wird es künftig Regelungen in einer Satzung geben.

Besonders spannend finde ich die geplante Aussichtsplattform auf dem Mittelstreifen. Die Aussicht auf den Nollendorfkiez wird grandios sein.

Der Platz vor Kaiser’s wird vorerst nicht umgebaut und neu gestaltet, da es Überlegungen gibt, den Bereich unter der Hochbahn künftig neu zu gestalten. In diese Planungen wird dann der Vorplatz mit einbezogen.

Gestaltung der Begegnungszone

Die Begegnungszone zeichnet sich durch eine einheitliche Gestaltung und Möbilierung aus, d.h. unter anderem Schirme in einheitlicher Farbe und aus Stoff. Das Mobiliar trägt wesentlich zur Gestaltungsqualität bei und hat Einfluß auf das Image des öffentlichen Raums. Grundsätzlich sollen durch Möbilierung der Außenbewirtschaftung, das Aufstellen von Verkaufsständen etc. das Stadtbild nicht verunstaltet werden.

Nicht zulässig sind künftig:

  • die kommerzielle Nutzung der Bewegungsflächen
  • Zäune
  • Biergartengarnituren
  • Windschutzeinrichtungen
  • Zelte
  • Teppiche und Kunstrasen
  • Heizpilze, Fackeln oder offenes Feuer
  • Speisekarten in festen Ständern

Mein Fazit: Alter Wein in neuen Schlächen oder warum die Maaßenstraße keine Begegnungszone wird

In vielen Bereichen der Gesellschaft werden seit Jahren Dinge zusammengefasst, vereinheitlicht und vereinfacht. Warum nun gerade in einem komplexen Bereich wie der Verkehrsgestaltung, die bisherigen drei bewährten Instrumente zur Verkehrsberuhigung, auf fünf Instrumente ausgedehnt werden müssen, erschließt sich mir nicht.

Wie ich eingangs beschrieb, ist eine Begegnungszone eine Form der Verkehrsberuhigung, in der Fußgänger gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern Vorrang haben. Durch die Umbaumaßnahmen der Maaßenstraße wird dieser Zustand nicht erreicht.

Die „Begegnungszone Maaßenstraße“ verträgt sich nicht mit dem Straßenverkehrsrecht. Wie ich schon erwähnte sind Begegnungszonen, die nicht niveaugleich angepasst werden, eher für Wohnstraßen vorgesehen. Da die Maaßenstraße keine reine Wohnstraße ist, passt dieses Konzept nicht. Konsequent wäre es gewesen, die Maaßenstraße durch einen vollständigen Umbau in eine Begegnungszone nach Share Space umzugestalten.

Share Space wollte man in der Maaßenstraße jedoch nicht. Die bisher häufigste Form, der in Deutschland eingesetzten Begegnungszone, geht aufgrund des Geschäftscharakters der Maaßenstraße nicht. Nun versucht man, in der somit völlig ungeeignten Maaßenstraße, durch ein MischMasch der verschiedenen Instrumente der Verkehrsberuhigung, ein weiteres Konzept umzusetzen.
Querungsstreifen sollen als Fußgängerüberwege dienen. Eigentlich sind für Fußgängerüberwege Zebrastreifen vorgesehen. Diese sieht die jedoch Straßenverkehrsordnung in Verkehrsberuhigten Zonen nicht vor. Gut, dann erfindet man Querungsstreifen – um 90° versetzte Zebrastreifen. Querungsstreifen sind Verkehrsteilnehmern nicht bekannt. Im schlimmsten Fall weiß der Verkehrsteilnehmer nicht, was er damit anfangen soll und wie er sich zu verhalten hat. Weitere selbst gebastelte Straßenverkehrsschilder, die es im Straßenverkehrsrecht nicht gibt, sollen zudem Abhilfe in dem Wirrwarr schaffen.

Mit den Maßnahmen „wollen wir die Autofahrer verwirren“, sagte der in der Stadtentwicklungsverwaltung für die „Fußgängerstrategie“ des Senats zuständige Horst Wohlfahrt von Alm. Das ist den Stadtentwicklungsplanern mit dem Durcheinander der verschiedenen Instrumente zur Verkehrsberuhigung auch gelungen. Ob allerdings eine Verwirrung der Autofahrer und der anderen Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr sinnvoll und für eine Erhöhung der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zuträglich ist – ich habe so meine Bedenken.

Somit bleibt die Maaßenstraße nach deutschem Verkehrsrecht weiterhin ein Verkehrsberuhigter Geschäftbereich – künftig mit Tempo 20, grünen Kreuzungsbereichen und Querungsstreifen.

Die geschaffenen Freiflächen sehen durch die Gestaltung mit Sitzelementen ansprechend aus. Ich bezweifle allerdings, dass diese künftig von den Anwohnern stark genutzt werden. Verwundert war ich über die zahlreiche Installation von Sitzelementen.

Die in dem verkehrsberuhigten Teil der Nollendorfstraße vorhanden Sitzbänke wurden Mitte der 90iger Jahre komplett zurück gebaut.

Begründungen hierfür waren:

  • zu kostenintensiv, da häufig durch Vandalismus beschädigt
  • Lärmbelästigung durch „herumlungernde“ Personen
  • nicht praktikabel bei Einsatz von Rettungsfahrzeugen, insb. durch die Feuerwehr

Ebenso aus Kostengründen ist der komplette nördliche und westliche Bereich des Wittenbergplatzes sowie die Tauentzienstraße bis zum Europacenter komplett Sitzbankfrei. Auf dem neu gestalteten Vorplatz vor der Urania finden sich seitdem auch keine Sitzbänke. Der Nollendorfkiez bekommt nun aber welche.

Mein Fazit:

Alter Wein in neuen Schläuchen – nichts anderes ist die Neugestaltung der Maaßenstraße und somit der Versuch, etwas Neues zu etablieren, kläglich gescheitert. Die Krux an der Geschichte ist, dass Begegnungszonen  für Wohnstraßen vorgesehen sind. Die Maaßenstraße ist allerdings keine reine Wohnstraße und das ist das ursächliche Problem. Man muß daher vermuten, dass die Maaßenstraße für dieses Projekt falsch ausgewählt wurde. Oder ist da unser Bezirksabgeordneter der GRÜNEN etwas vorschnell vorgeprescht, ohne sich vollumfänglich über die Konsequenzen im Klaren zu sein. Ich weiß es nicht. Die Blicke der anwesenden Mitglieder der Senatsverwaltung sprachen allerdings Bände.

Viele Anwohnerwünsche blieben unberücksichtigt. Das die Neugestaltung des Parkplatzes sowie des Vorplatzes vor Kaiser’s in den derzeitigen Umbaumaßnahmen nicht inbegriffen sind, ist insofern nachvollziehbar, da auf Initiative der SPD-Fraktion die BVV Tempelhof-Schöneberg in ihrer Sitzung am 16.04.14 ein städtebauliches Leitbild für den Nollendorfplatz beschlossen hat.
http://www.spd-tempelhof-schoeneberg.de/index.php?nr=9998&menu=1

Bei der Neugestaltung der Maaßenstraße geht es vorrangig um den Erhalt des Kiezcharakters der Gegend. Schade finde ich, dass man sich hierbei ausschließlich auf die Maaßenstraße konzentriert und die angrenzenden Nebenstraßen in die Planung nicht mit einbezogen hat. Ich hätte es begrüßt, wenn im Zuge der Maßnahmen in der Maaßenstraße auch wieder die Sitzgelegenheiten in der Nollendorfstraße installiert worden wären. Vielleicht bleiben ja zwei oder drei Sitzbänke übrig, die man in der Nollendorfstraße aufstellen kann. Wenn man denn schon eine echte „Begegnungszone“ mit der Nollendorfstraße im Kiez hat, wäre es auch sinnvoll, diese auch als solche zu gestalten.

Die Verschmalerung der Fahrbahn und die Verlegung der Radwege auf die Fahrbahn sehe ich kritisch. Ob die Ladungszonen in Höhe der Nollendorfstraße für die Belieferung der Restaurants in Höhe der Winterfeldtstraße sowie des Supermarktes Nahkauf genutzt werden, bleibt abzuwarten. Der Wegfall der Parkplätze soll durch eine künftige Parkraumbewirtschaftung kompensiert werden, obwohl nach Aussagen der Stadtentwicklung im Umkreis von 500 m 1000 Parkplätze zur Verfügung stehen. Bei der Bürgerversammlung im Januar wurden noch 2000 Parkplätze, um genau zu sein 1990 Parkplätze genannt. Das Thema Parkraumbewirtschaftung wurde damals als nicht notwendig abgetan. So genau muss man das mit den Zahlen ja nun auch nicht nehmen und das Thema Parkraumbewirtschaftung hat die SPD ja auch erst im Frühjahr dieses Jahres ins Spiel gebracht.

Die Planung sieht trotzdem recht angenehm aus. Eine Begegnungszone wird die Maaßenstraße dadurch allerdings nicht. Die Aufenthaltsqualität kann sich verbessern. Das eigentliche Problem der Lärmbelästigung wird hierdurch nicht gelöst, gegebenenfalls eher verstärkt. Hoffentlich stehen in den Folgejahren ausreichend finanzielle Mittel für den Erhalt des Mobiliars sowie für Personal des Ordnungsamtes zur Verfügung.

Eine Aufwertung des Kiezes durch die Umbaumaßnahmen der Maaßenstraße für die Anwohner sehe ich ebenfalls nicht. Sie ist bestenfalls dafür geeignet die Aufenthaltsqualität der Besucher der gastronomischen Einrichtungen weiter zu erhöhen und somit dem Nollendorfkiez endgültig seinen ursprünglichen Charakter zu nehmen.

Eine Aneignung der Räume braucht allerdings Zeit. Wir werden sehen, wie die neue, umgestaltete Maaßenstraße – ich nenne sie jetzt bewußt nicht mehr Begegnungszone – angenommen wird.

In diesem Zusammenhang möchte ich es nicht versäumen, Christoph Götz – Stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, zu zitieren, der im Mai dieses Jahres folgendes sagte:

Sollte sich aber nach einiger Zeit herausstellen, dass das Konzept „Begegnungszone“ in der Maaßenstraße tatsächlich nicht oder nur bedingt funktioniert, werden wir uns nicht scheuen auch Schritte rückwärts zu gehen“.

Mein Fazit habe ich ja eingangs schon vorweg genommen. Konsequent wäre es gewesen, eine tatsächliche Begegnungszone nach Share Space zu etablieren – alles andere ist nur alter Kaffee … oder alter Wein in neuen Schläuchen.

Mit dem Rückbau der Radwege soll im Dezember abschnittsweise nach Wetterlage begonnen werden. Der eigentliche Umbau der Maaßenstraße soll im März 2015 beginnen und Herbst 2015 abgeschlossen sein. Die Kosten für den Umbau der Maaßenstraße sind mit EUR 600.000 veranschlagt. Am 28. November will die Stadtentwicklung ihre stadtweite Fußgängerstrategie vorstellen und dann auch alle Details zur Umsetzung der Maaßenstraße bekannt geben. Bis dahin hält sich mit konkreten Auskünften noch zurück.

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die Anwohner erst nach diesem Termin mit einem Informationsstand und moderierten Stadtspaziergängen über die tatsächlichen Umbaumaßnahmen zu informieren?

Wenn Du die geplanten Umbaumaßnahmen auch nicht für ausgereift hälst, dann unterschreibe doch bitte unsere Unterschriftenaktion. Zur Unterschriftenaktion gelangst Du hier.

11 Kommentare

  1. Ich finde es ziemlich schade, wie wenig reflektiert die Umsetzung betrachtet wird und auf was für eine Ablehnung das projekt stößt. Ganz nach dem Motto „Wat der Bauer nicht kennt frisst er nich.“

    Bzgl. der Verwirrung des Autors aufgrund der installierten Sitzmöbel und der Begründung, warum diese in den 90ern entfernt wurden musste ich schon ziemlich lachen. Es geht v.a. darum, dass man das Verweilen im öfentlichen Raum erreicht und auch Senioren, die häufiger Ruhen müssen, diese Möglichkeit einräumt. Das Argument, keine Sitzmöbel aufgrund von Vandalismus wäre so, als wenn man sagt, keine Autos aufgrund von Verkehrstoten. Das sind eben Begleiterscheinungen, die anders handzuhaben sind.

    Des weiteren wird in den Kommentaren häufig nur aus Autofahrer-Sicht gewertet. Die Straße soll Flächen für ALLE Personen bereit stellen. Das die Autos dann darunter „leiden“ ist nun mal so. Wir leben in Berlin mit der BVG – wozu ein Auto haben??? Fußgänger müssen sich an so manch einem Ort auch häufig mit engen Seitenräumen arrangieren, was ohne Murren hingenommen wird.

    Schaut bitte mal ein wenig über den Teller rand hinaus!!!

    Soviel dazu.

  2. Projekt Dauerstau / Pennerparty

    Ich wohne um die Ecke in der Elßholzstraße und ahne Schlimmes. Da ich früher als Student als Kraftfahrer gearbeitet habe und Restaurants und Geschäfte belieferte, sehe ich das Chaos natürlich schon kommen:

    Da stehe ich dann mit meiner riesen Karre und die Müllabfuhr oder ein anderes großes Auto will auch noch durch. Und dann sind da auch noch jede Menge Radfahrer auf der Straße. Und normale Fußgänger die die Straße überqueren, gibt es ja auch noch. Aber auch alte Leute. Und natürlich auch unaufmerksame Kinder. Großer Gott, das wird die Hölle. Mit meinem Auto mache ich dann die ganze Maaßenstraße dicht, jedenfalls wenn irgendwas Ungewöhnliches passiert und/oder ich einen Fehler mache. Da läuft dann gar nix mehr. Und zwar vom Anfang bis zum Ende der Maaßenstraße. Da wird eine 600 000 Euro teure „Autofalle“ gebaut. Schon ganz normale kleine Autos reichen für echtes Chaos, wenn da jemand mal nicht so besonders gut Auto fahren kann. Jedenfalls wenn ich mit meinen richtig großen Auto ankomme und irgendwas passiert. Das wird „lustig“.

    Und wo ich die obdachlose „Bewohnerin“ der Volksbank Filiale (der Geldautomat) finden werde, wenn die Frau da mal wieder aus dem Vorraum raus fliegt, ist auch sonnenklar. Die Frau unterhält sich gerne mit Fremden. Aber das ist ja auch der Sinn dieser Bänke in der „Begegnungszone“. Darauf haben die Anwohner wirklich lange gewartet! Das wird richtig „kuschelig“ werden.

    Das Bezirksamt vergeudet nur Geld für „rot grüne“ Spinnereien. Die sollen mal lieber die Schulen machen und den normalen Unterhalt der Infrastruktur. „Weniger“ bringt oft „mehr“! Und so viel Geld haben wir ja nun auch nicht.

    Als nächstes ist wohl der Kleistpark dran. Ich ahne ebenfalls Böses. Das wir auch wieder zu viel Geld kosten und für das Geld zu wenig bringen. Auch hier würde normale Instandhaltung reichen. Vielleicht noch was kleines nettes dazu. Hübsche Pflanzen, oder so. Aber mehr nicht. Das Bezirksamt will aber ein „neues Konzept“ für einen denkmalgeschützten (!) Park. Wie soll das gehen? Denn der Entwurf und das Konzept (!) des Gartenarchitekten Pniower steht doch unter Denkmalschutz. Und was soll das wieder kosten?

    P.S.: Und diese Regulierungswut für die Geschäfte und Restaurants finde ich auch pervers. Da fehlt nur noch ein Verbot für Rauchen, Alkohol den den Verzehr von Fleisch. Und gelacht werden (insbesondere über das Bezirksamt), darf natürlich auch nicht mehr.

  3. Danke ! ich wohne um die Ecke , aber durch viele Arbeite Reisen habe noch diese „Verbesserung“ verpasst. Es wird unseren Kitz töten, schlicht und einfach. Die historische Blick lebendige Strasse mit eigene Leben und Atmosphäre wird weg. Wer trifft sich doch in Nollendorfstrasse, die gerade in den „begegnugs“ teil kahl und provinziell wirkt, so das nur betrunkene dort auf dieToilette gehen, gerade weil dort sonst niemand ist. Weg damit!!! Wir haben doch Winterfeldplatz als Treffpunkt und Bewegungsfläche auch. Tempo 20- ok, aber den rest mus bleiben wie es ist. Den Geld könnten die Politiker für die Schulprojekte geben!

    1. Das sehe ich auch so!

      600 000 Euro reichen nicht. Das wird teurer. Und das soll ich dann den Schülern der Sophie Scholl Schule erklären. Da ist die Turnhalle kaputt.

      Ich habe ja nix dagegen, wenn es hübscher und netter wird. Aber das? Ich sehe es auch an den ungläubigen Blicken der Leute auf der Straße. Alle scheinen sich zu fragen, was das Ganze überhaupt soll.

  4. 50 Parkplätze fallen weg ! Es ist schon jetzt eine absolute Katastrophe dort eine Möglichkeit zu finden sein Auto abzustellen… Ich bin schon zum Einkaufen und Ausgehen in andere Gebiete gewandert… Wartet mal ab. Iihr macht Euch Sorgen um ausufernde Gastronomie ?? Keine Bange .. Ohne Parkmöglichkeiten oder nur mit teueren parkhäusern ist noch in jeder Stadt in jedem Kiez alles pleite gegangen.. Wie dumm sind die Berliner Planer.. Wer Lärm Autos Gastro und Menschen in den Strassen nicht haben will. hat offensichtlich vergessen dass Er / Sie sich in einer STADT befindet und sei gut daran beraten doch ins Umland aufs Dorf zu ziehen.. Dort ist viel Ruhe Grün und Bänke in Begegnungsflächen…

    1. Oh, muss man echt mal 300m Fussweg in Kauf nehmen, um seine Karre abzustellen? Kein Mitlied. Es gibt zu viele Autos, nicht zu wenig Parkplätze.

    1. Das Planungsmodell „Shared Space“ wurde von dem Niederländer, Hans Mondermann, Anfang der 90iger Jahre entwickelt. Der Begriff geht allerdings auf einen britischen Verkehrsplaner zurück. Die Idee von Shared Space ist, auf sämtliche Verkehrszeichen, Fahrbahnmarkierungen etc. zu verzichten. Parallel wurde in der Schweiz das Modellprojekt Begegnungszonen entwickelt, das sich an dem Modell „Shared Space“ orientierte, jedoch nicht so weitgehend ist und nicht nur in Wohnstraßen umgesetzt wurde. Die schweizerischen Begegnungszonen sind nichts anderes als die bei uns in Deutschland seit den 80iger Jahren bekannten „Verkehrsberuhigten Zonen“ bzw. „Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich“.

  5. Hallo Gregor,
    ein sehr ausführlicher und interessanter Artikel, vielen Dank fürs schreiben! Mir gefällt der kritische Ansatz. Denkst du, dass es generell zu einer Verbesserung der Situation geben wird? Ich denke, dass wenn auch nicht alle Wünsche erfüllt werden, dass es zu einer Aufwertung des Bereichs kommen wird.
    Warum siehst du die Verlagerung des Radverkehrs auf die Straße kritisch? So wie es im Moment ist (schmaler Radweg, kaum platz zwischen Gastronomie und Radweg für Fußgänger) , kann es ja nicht bleiben. Wenn zudem Tempo 20km/h gilt, ist es zudem meist nicht nötig, Radfahrer_innen zu überholen.

    1. Hallo Alex … vielen Dank für Deinen Kommentar. Das ist der erste in meinem Blog überhaupt und das freut mich riesig, hier nicht nur den Alleinunterhalter zu spielen So ein Blog lebt ja von der Kommunikation. Vor allem freut es mich natürlich, dass Dir mein Beitrag gefallen hat.

      Sicherlich kann man es nicht immer Allen recht machen, dass jedoch kaum die Anwohnerwünsche berücksichtigt wurden, finde ich schon traurig.

      Ich sehe nicht, dass die Umgestaltung der Maaßenstraße zu einer Verbesserung der Gesamtsituation führen wird. Unser Hauptproblem, die Lärmbelästigung, die die Anwohner seit Jahren versuchen zu bekämpfen, wird mE eher verstärkt. Die sogenannten Kommunikationszonen dürfen ja nicht kommerziell genutzt werden, aber wer will denn jemand davon abhalten, ein Getränk in einem Lokal zu bestellen und sich dann dort hinzusetzen. Inirekt sehe ich das schon als Ausdehnung der gastronomischen Einrichtungen an. Die in der Nollendorfstraße seinerzeit vorhanden Bänke wurden in den 90iger Jahren demontiert, weil sie für Party und von Obdachlosen genutzt wurden. Das Problem hatten wir verbannt – nun holen wir es uns unfreiwillig wieder zurück.
      Wenn das andere Konzept des Bezirks aufgeht, dass sich die Zahl der gastronomischen Einrichtungen verringert, dann haben wir überbreite Gehwege und zusätzliche Kommunikationszonen, aber eine schmale Straße und keine Parkplätze. Dadurch, dass es zentral nur zwei Ladezonen geben wird, wird sich auch lieferintensives Gewerbe nicht ansiedeln. Ich bin gespannt, wie der Supermarkt „Nahkauf“ und die derzeit großen gastronomischen Einrichtungen künftig dieses Problem meistern werden.

      Ich habe mich gerade erst vor kurzem mit einer langjährigen Gewerbetreibenden aus der Maaßenstraße unterhalten. Sie sieht zusammen mit anderen Gewebetreibenden die Umgestaltung mehr als kritisch. Vor allem sehen sie, dass durch fehlende Parkmöglichkeiten ein Teil der Kundschaft ausbleiben wird, die nicht in diesem Kiez wohnt.

      Die Verlagerung des Radweges auf die Fahrbahn ohne zusätzliche Radspur sehe ich deswegen kritisch, weil die Fahrbahn schon recht schmal wird. Nicht jeder Radfahrer fährt tatsächlich 20 km/h, im Schnitt ist es weniger. Da die Planer das kurzfristige Parken in 2. Reihe für möglich halten, wird es dann eng.
      Zudem entschleunigen Aufplasterungen, Verschwenkungen und ähnliche geplante Hindernisse zwar, stellen aber eine Gefahrensituation für Radfahrer dar.

      Unser Problem hier ist, der seit Jahren schwindende Anteil der Gewerbetreibenden. Das Leben besteht nicht nur aus Party & Essen gehen, schon gar nicht für die Anwohner. Mag man den Zählungen der Verkehrslenkung Glauben schenken, dann nutzen 1200 Menschen täglich die Maaßenstraße – das ist nicht viel.

      In den Sommermonaten und am Samstag, wenn Markttag ist, dann ein paar Leute mehr. Aber Sommer haben wir nur 2-3 Monate und Markttag nur ca. 50 mal im Jahr. Ich habe die Straße in diesem Jahr mal stark beobachtet. Unter der Woche ist hier recht wenig los. Um die Mittagszeit saßen so 10-20 Leute auf den überdimensionalen Außenterassen. Im Juli/August, gerade am Wochenende, platzen die Außenterassen fast aus allen Nähten. Das ist aber in anderen Gegenden auch so. Deswegen werden aber nicht gleich die Straßen dort umgestaltet.

      Die jetzt geplante Umgestaltung richtet sich ausschließlich nach der weniger Tage im Jahr und bringt den Anwohnern keinen Mehrwert – den Besuchern schon.

      1. Die Lieferzonen werden definitiv nicht funktionieren.

        Die verdammte Ware muss in den Laden. Die Leute wollen was kaufen oder essen oder trinken. Je nach Auto hat man eine Sackkarre und/oder einen Hubwagen. Mit Ladebordwand. Die Fahrer müssen möglicht dicht an den Laden ran. Je nachdem, was der Laden so alles braucht, kann das teilweise richtig anstrengend werden und/oder eine Weile dauern.

        Also ich befürchte, wir erleben da gerade so eine Art „Schildbürgerstreich“.

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