Schonfrist für Puppentheater Hans Wurst Nachfahren

Puppentheater Hans Wurst Nachfahren
Foto: Gregor Selle

Die Zukunft Puppentheater hing am seidenen Faden. Nach Berichten der Berliner Zeitung gibt es nun Hoffnung für ein Fortbestehenden des Puppentheaters – jedenfalls kurzfristig. Der Mietvertrag ist bis Ende Oktober 2016 verlängert worden.

Der Mietvertrag für die Spielstätte, welche 1993 in einjähriger Bauzeit mit öffentlichen Haushaltsmitteln in Höhe von 1,25 Mio. EUR eigens für das Theater umgebaut wurde, lief im Dezember 2013 aus. Das Objekt wurde durch die Eigentümerin, die TFG Treufonds Verwaltungs GmbH & Co KG, an den Künstler Jörg Hiller alias Konrad Sprenger verkauft. In dem Objekt wollte der Künstler ein eigenes Tonstudio einrichten.

Die Überlegung, das Vorkaufsrecht an dem Objekt zu nutzen, verwarf der Senat, da der Preis für die Immobilie mit ca. 850.000 EUR schlichtweg überzogen war. Nach Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer konnte erreicht werden, dass das Puppentheater nicht sofort, sondern erst nach Beendigung der Spielzeit 2014/2015 im September dieses Jahres aus den Räumlichkeiten ausziehen sollte.

Als wir im Juni 2014 aus den Medien von der bevorstehenden Schließung des Puppentheaters erfuhren, gründeten Barbara Preil und ich spontan die Initiative „Aktionsbündnis Kiezkultur“, um die Theaterleute bei dem Kampf um ihr Theater zu unterstützen.

Kurzfristig gab es ein Gespräch zwischen den Theaterbetreibern Barbara Kilian (62) und Siegfried Heinzmann (75) sowie interessierten AnwohnerInnen. Das Gespräch verlief angespannt und war von massiven Rechtfertigungen gezeichnet.

Einige AnwohnerInnen engagierten sich in der von uns gegründeten Initiative, jedoch stellte sich schnell heraus, dass es keine gemeinsamen Ziele gab. Die Zusammenarbeit mit den Theaterbetreibern war wenig konstruktiv. Nach Aussage der Betreiber Kilian und Heinzmann würde man noch 2 oder 3 Jahre weiter machen, wenn man sie denn ließe und sich die Bedingungen ändern würden. Allerdings fehlte es an einem Konzept. Lediglich einen Spielplan bis 2018 gab es. Eine Nachfolgeregelung war nicht vorhanden; von den anderen Mitgliedern des Ensembles war niemand bereit, das Theater fortzuführen. Vorrangig wichtig war den Theaterbetreibern, die Spielzeit 2014/2015 zu beenden. Seitens der Theaterbetreiber war die Erwartungshaltung an die Politik, wie in all den Jahren zuvor, sehr hoch. Zudem hatten sie sich bereits von ihrem Publikum mit einem Aushang und auf ihrer Webseite verabschiedet. Von Kampf keine Spur.
Die Diskussionen zwischen den Akteuren unserer Initiative bestanden darin, inwiefern die Spielstätte ohne Konzept, ohne Nachfolgeregelung, ohne nachhaltige Finanzplanung etc. langfristig erhalten werden kann. Das Ziel von Barbara und mir war ein dauerhafter Erhalt der Spielstätte am Winterfeldtplatz. Unsere Mitstreiter sahen das anders und setzten eher auf den kurzfristigen Erfolg des Weiterbetriebs des Puppentheaters.

Bei so viel fehlendem Aktionismus und Enthusiasmus für die Sache sowie einer konstruktiven Zusammenarbeit seitens der Theaterbetreiber und der ständigen Diskussionen der beteiltigten Akteuren, fiel es uns schwer, sich für das Theater zu engagieren.

Die verbliebenen Akteure um Jochen Dannert machten mit der von ihnen neu gegründeten „Initiative Kiezkultur – Rettet das Theater am Winterfeldtplatz“ mobil und sammelten mittels einer Online-Petition nunmehr innerhalb von 7 Monaten knapp 12.000 von erforderlichen 15.000 Unterschriften. Anscheinend genug, um den Senat entsprechend unter Druck zu setzen. Kulturstaatssekretär Tim Renner engagierte sich stark und verhandelte kurz vor Torschluss noch mal mit dem Hausbesitzer, sodass jetzt mehr Zeit für eine endgültige Rettungsaktion bleibt.

Den Akteuren der „Initiative Kiezkultur“ gratulieren wir zu dem nunmehr erreichten Erfolg und danken ihnen für ihren Einsatz.

Zu wünschen wäre, dass es nicht bei diesem kurzfristigen Erfolg bleibt und die Spielstätte langfristig erhalten werden kann. Der Vorschlag der Bürgerinitiative geht dahin, die Spielstätte an diesem Ort zu erhalten und dem neuen Eigentümer einen Ersatzstandort anzubieten. „Leerstand an Gewerberaum gibt es in Berlin überreichlich“, haben die Initiatoren formuliert. Ob sich der neue Eigentümer auf diesen Vorschlag einlassen wird, ist offen. Allerdings geht es nicht nur um die Gewährung eines langfristigen Mietvertrages, sondern vielmehr um den dauerhaften Erhalt der Spielstätte. Hierzu gehören – wie gesagt – eine Nachfolgeregelung und eine langfristige solide Finanzplanung. Bisher erhielt des Theater seitens des Senats eine Basisförderung von 113.000 EUR und zusätzlich einen Zuschuss für die Miete in Höhe von 40.000 EUR.

In der Jurybewertung zur Basisförderung 2015/2016 ist zu lesen:

Leider kann die Jury auch für die nächste Förderperiode kein positives Votum für das Theater HansWurst Nachfahren aussprechen. Die im Jury-Kommentar für den Förderzeitraum 2013/14 formulierte Einschätzung der künstlerischen Qualität sowie der strukturellen Bedeutung des Theaters hat sich trotz erneuter Vorstellungsbesuche nicht geändert.

Den Jurykommentar zur zweijährigen Basis- und Spielstättenförderung 2013/2014 kannst Du hier lesen: jurykommentar_zweijahrige_basis-_und_spielstattenforderung_2013_2014

Da kann man nur hoffen, dass der Senat die notwendigen Mittel weiterhin bewilligt bzw. die Bürgerinitiative auch hierzu eine Lösung hat. Denn schlußendlich geht es nicht um die Wahrung nostalgischer Gefühle und die Durchsetzung der Eigeninteressen der Theaterbetreiber, sondern um den Erhalt einer Spielstätte für die nachfolgenden Generationen in unserem Nollendorfkiez.

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