SSS … SO SAFRAN SACHEN

Bar Voyage
Richard Hebstreit
MIASA Safran Honig

Einen Galeriebesuch zu einer Vernissage hatte ich auf den Schirm in der Nähe des Nollendorfplatzes in Berlin ein Tag nach Himmelfahrt 2015. „The Ballery, Nollendorfstrasse 1“ stand auf einem Notizzettel in meiner linken Arschtasche. Der schnelle Weg mit der U-Bahn dorthin entpuppte sich als Umweg. Rund um das Gleisdreieck in Berlin funktionierte das U-Bähnchen nicht richtig. Völlig entnervt spuckte mich mit halbstündiger Verspätung die U-Bahn wieder aus. Mit Google Maps fand ich die Nollendorfstrasse 1.

Bar Voyage
Rückbuffet Bar Voyage

Ein Eckhaus, eine plüschige Kneipe, die „Bar Voyage“ mit einem Mann vor und einem Mann hinter dem Tresen, die mir bedeuteten, hier gibt es keine „Ballery“, keine Vernissage, keine Eröffnungsreden zu einer Vernissage, „Hier gibt es heute das monatliche Treffen Berliner Transvestiten!“ Um vierzig Transvestiten mit und ohne Partner werden einschlagen!“

Ich lass mir ein Bier zapfen und bin neugierig. Mutti, wäre auch schon hier gewesen, bekomme ich in Erfahrung. Der Begriff „Mutti“ entpuppt sich als die gegenwärtige Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. „Was? Kommt die heute auch zum Transentreffen?“ frage ich. Das wird verneint und an ein Foto an einer Promi-Bilderwand verwiesen. Eine sehr große Frau mit sehr großen Brüsten erscheint am Tresen und bestellt Aperol Spritz und einen Gin. Aus ihrem Handtäschchen fingert sie ein goldenes Löffelchen und ein goldenes Gläschen. Aus dem Gläschen holt sie mit dem goldenen Löffelchen Honig und rührt den Honig in den Gin. Ich kenne das Glas, ich kenne den Honig aus einem französischen Feinkostladen aus der Windscheidstraße. Und ich kenne eine Geschichte zu diesem Honig, die ich sofort am Tresen meinen Nachbarn am Tresen ungefragt um die Ohren verplappere.

„Dicht neben der Windscheidtraße ist der Stutti, der Stuttgarter Platz, um den professionelle Damen mit gewissen Befriedigungs-Dienstleistungen spät am Abend aufwarten. Dazu besorgen sie sich auch mal sporadisch in der Windscheidtstraße bestimmte Honiggläschen. Der Honig ist ein Trüffelhonig, der die Eigenschaft hat, egal wo hin man diesen Honig träufelt, es schmeckt nach Honig und es schmeckt nach Trüffeln. Es ist eine Gourmet-Tradition aus dem Piemont in Italien oder aus dem Périgord in Frankreich. Als Abschluss eines Essens reicht man normalerweise Honig, aromatisiert mit Trüffeln, zum Käse. Der Honig vermählt seine Süße besonders gut mit den kräftigen Aromen würziger Schafs- oder Ziegenkäse. Zu Schafs- oder Ziegenkäse reichen die Damen vom Stutti den Trüffelhonig nicht. Er ist zu Anheizen ihrer Freier für „Französisch“ gedacht, die was „Süßes“ auf die Zungenspitze bekommen sollen.“ steht irgendwo geschrieben.

„Du bist ein böser Junge!“ sagt die sehr große Dame mit den sehr großen Brüsten zu mir. Die Dame ist ein Mann, höre ich an ihrem sonorem Bassbariton. Mittlerweile hat jemand mein eigentliches Ziel in der Nollendorfstrasse mit einer Google Suche entdeckt. Es wäre die Nollendorfstraße 11-12.

Nach wenigen fünf Minuten stehe ich vor der Galerie „The Ballery“, neben den Besuchern, die das Inhalieren von Tabakrauch frönen. Es duftet nach verschiedenem, wie Joints und feinsten Parfümsorten. Am Eingang, hoch auf einem Baum sitzt auf einen dicken Ast eine schwarz gekleidete Frau, wo ich denke, die hat eventuell was komisches eingenommen und will sich hoffentlich nicht mit viel effektvoll auf das Pflaster stürzen.

Bar Voyage
Frau auf Baum

Igor Skaletsky oder Katerina Belkina sind es nicht. Vera Kochubey ist es wahrscheinlich, oder „performance art by Natalia Korotyaeva, Ksenia Telepova“, wo eine davon hier auf einem Baum vor dem Eingang der Galerie „The Ballerie“ performt. Es sind russische Künstler, die ihre Werke für ein paar Tage hier in Berlin präsentieren. Solide High-key-Fotografie von Katerina Belkina und solide fotorealistische Mischtechnik-Malerei von Igor Skaletsky und ein wenig halbrealistischer Expressionismus Malerei mit komischen Skulpturen.

Igor Skaletsky
Igor Skaletsky

Rechts neben der Tür steht ein Tisch von „MIASA“, einem Feinkostproduzenten, der unter anderem auch einen Safran-Honig präsentiert. Später im Internet finde ich geschliffene Sätze zum Produkt: „Er umschmeichelt Körper, Geist und Seele und trägt durch seine kostbaren Rohstoffe zu Ganzheitlichem Wohlsein bei. Die Reinheit des Honigs und die Premium Qualität des Miasa Safrans stellen in ihrer Symbiose ein Genussprodukt der Extraklasse dar.“ So weit, so gut! Das Verpackungsdesign hat die höheren Weihen guter Grafikdesigner, sehe ich aus ehemaligen beruflichen Inputs und werde neugierig. Weil, eine russisch sprechende Frau mit herrlichen roten Lippen ohne Botox packt nun bündelweise kleine Packungen Safran in ihr Pradatäschchen. Irgenwie bekomme ich Ängste, dass der feine Safranhonig weg ist, wenn ich die Ausstellung verlasse. Das ist nicht der Fall, denn Jasper Emeis, der Marketing Director verkauft mir höchstpersönlich ein Döschen, ehe ich aus „The Ballerie“ mit eben diesem Honiggläschen verdufte.

So ziehe ich dabei beim Verlassen imaginär den Hut, da man hier bildende Kunst mit Gourmet – Produkten verknüpft. So um 1995 habe ich auch mal sowas gemacht und Möbel des italienischen Außenhandelsverbandes Assaredo-Federlegno z. B. Möbel von Carlo Molteni nach Thüringen in die Museen zu Kunstausstellungen verorganisiert. Hat prima geklappt. Die Molteni Möbel kennt man seitdem in Erfurt, Gera, Meiningen, Eisenach und auch in Suhl. Das ist nun zwanzig Jahre her, ich bin ein Jahr vor der Siebzig und will in einer Berliner Nacht was erleben. Udo Lindenberg und Marcus Krey haben mal gesungen, „In fünfzehn Minuten sind die Russen am Kurfürstendamm.“ In fünf Minuten war ich wieder in der „Bar Voyage“, weg von den Russen, wo ich nach weiteren zwei Bier mein Safran-Honiggläschen auspacke. Vorher bedeute ich einer PKW-Streife der Berliner Polizei, „Auf einem Baum vor der Nollendorfstraße 11-12 sitzt in ca. Zehn Meter Höhe eine Frau auf einen Baum“. Ich verheimliche die Kunstabsicht und wünsche der Galerie einen Einsatzskandal mit Feuerwehr und allem Tarallala. „Sowas ist gut für die Publicity“, könnte ich ahnen.

MIASA Safran HonigBombay Gin oder Gordon´s Gin sind im Angebot der „Bar Voyage“. Ich mixe Gordon´s Gin mit einem Löffel MIASA – Safranhonig zu einem  „SHGD“ –  „SAFRAN-HONIG-GORDON-Drink“. Nun bin ich ein Drink Erfinder, verkünde ich halblautstark, nachdem mir die mittlerweile auch angetütelten Transen mir das an der Bar vollmundig bestätigen.

Eine halbe Stunde später danach bin ich auf der Heimreise. Wieder mit halb kaputter U-Bahn um das Gleisdreieck herum. U-Bahnstation Möckernbrücke steige ich mit wackeligen Beinen aus und belästige danach die Gäste einer Dart-Kneipe in der Stresemannstraße mit dem Safran Honig. Es ist mittlerweile zwei Stunden nach Mitternacht und die Gäste der Kneipe sind jenseits  von Ambitionen trockener Alkoholiker. Pitti, ein Stammgast, der als Doppelgänger des Doppelagenten Werner Stiller funktionieren könnte, meinte, „mix das mal mit Tullamore!“ Er weis, ich bin ein Fan von Tullamore (irisch Tulach Mhór „Großer Hügel“). Es ist eine Stadt in der Grafschaft Offaly in der Republik Irland. Bekannt ist der Ort international insbesondere durch die Whiskeymarke Tullamore Dew. In der Nähe von Tullamore betrieb der irische Rundfunk RTÉ bis zum 24. April 2008 einen auch in Deutschland empfangbaren Mittelwellensender. 1995 bis 1998 sendete ich über meine Rundfunklizenz DAB Thüringen vom Inselsberg in Thüringen, viele tausende mal „tammy wynette: stand by your man“ wusste er auch.

Honig-Gin-Genießer
Honig-Gin-Genießer

Also machte ich den Spass mit. Zwei Tullamore wurden bestellt, für mich und für Pitti. Wir mixten mit den Löffel den Safranhonig dazu. Zu zwei SAFRAN-HONIG-TULLAMORE-Drinks. Pitti war von den Socken. Mit zwei Kameras hab ich das dann dokumentiert. Mit einer ActionCam und mit einer mittel hochauflösenden Sony RX 100 DigitalKnipse.

Komisch, am anderen Tag gab es dann verschiedenste Reaktionen meiner Lebensgefährtin, die mich halt wie manchmal Nachts in Berlin vermisste: Petra hatte mich seit 18:00 Uhr Vortags nicht mehr auf den Schirm. Nicht über Telefon, Facebook, e-Mail, WhatsApp. Ich war weg…. meine Akkus waren halt mal leer. Soll ja vorkommen sowas. Ich meinte dann, „Das ist aber ein wenig komplizierter, ich kann das schriftlich und per Bild und Video erklären.“

Fuhr hin, knallte den Safranhonig auf den Küchentisch und meinte, „Probier das mal!“ Petra schnappte einen französischem Ziegenkäse aus dem Kühlschrank und mixte dazu den Honig zum Frühstück. Gurrend fragte sie dann „Wo gibt es das Zeug?“

Meine Antwort „Frag Google!“

© 18.05.2015 Richard Hebstreit
www.rhebs.de

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