Maaßenstraße: Kein Rückbau der Begegnungszone

Begegnungszone

Begegnungszone Maaßenstraße – Bürger werden nicht befragt

Im Tagesspiegel war heute folgender Beitrag zur „Begegnungszone“ Maaßenstraße zu lesen:

Der Umbau der Maaßenstraße in Schöneberg zur “Begegnungszone” war im Bezirk der verkehrspolitische Aufreger der vergangenen Jahre. Weniger Platz für Autos – sowohl beim Fahren als auch beim Parken – und dazu eine ästhetisch nicht besonders gelungen gestaltete Verweilzone bieten genügend Material für heiße Diskussionen. Und die “Begegnungszone” bewegt die Gemüter immer noch. Auch in der Bezirksverordnetenversammlung in der vergangenen Woche. Da machte die für den Straßenbau verantwortliche Stadträtin Christiane Heiß (Grüne) deutlich klar, dass es trotz der anhaltenden Kritik keinen Rückbau geben werde und der Bezirk deswegen auch nicht die Bürger fragen werde, ob sie die Begegnungszone haben wollen oder nicht. Informationsveranstaltungen aber soll es geben. Ohnehin sei der Umbau der Maaßenstraße ein Pilotprojekt des Senats, der deswegen auch die Federführung bei der derzeitigen Evaluierung habe. Wie Heiß sagte, geht es jetzt vor allem darum, Fehler bei der Umsetzung beheben. Immer wieder auf Kritik stoßen beispielsweise die Poller, die Bänke und das wenige Grün. Von Seiten der FDP wird stets auf die Gewerbetreibenden verwiesen, die über den Wegfall von Parkmöglichkeiten klagen, was Umsatzeinbußen zur Folge habe. Die Ablehnung einer Bürgerbefragung nannte Ralf Olschewski von der CDU “absolut nicht nachzuvollziehen, zumal gerade von denjenigen Menschen, die Tag für Tag das Geschehen vor Ort erleben, sinnvolle Vorschläge zu erwarten sind”.

– Sigrid Kneist – Redakteurin der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels

Der Umstand, dass an dem Zustand der Begegnungszone Maaßenstraße kein Rückbau bzw.  Anpassungen vorgenommen werden sollen, ist mir seit Mitte Dezember 2016 bekannt. Die FDP hatte bereits im November unter der Drucksache 18/10 100 eine schriftliche Anfrage diesbezüglich an das Abgeordnetenhaus Berlin gestellt und gleichlautende Antworten erhalten.

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Versprechen der Politik werden nicht eingehalten

Christoph Götz, verkehrspolitischer Sprecher der SPD, hatte vor Beginn der Umbaumaßnahmen immer betont:

„Sollte sich aber nach einiger Zeit herausstellen, dass das Konzept „Begegnungszone“ in der Maaßenstraße tatsächlich nicht oder nur bedingt funktioniert, werden wir uns nicht scheuen auch Schritte rückwärts zu gehen.“

Annette Hertlein
Annette Hertlein (SPD) Foto: © SPD Berlin / Joachim Gern

Im Vorfeld der Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im September 2016 gab es diverse Veranstaltungen zum Thema „Begegnungszone Maaßenstraße“. Auf einer im März von Annette Hertlein (SPD) initierten Veranstaltung betonte sie sowie die Bezirksbürgermeisterin, Angelika Schöttler, dass man erkannt habe, dass Anpassungen der Maaßenstraße notwendig seien. Die Bezirksbürgermeisterin, Angelika Schöttler, sprach auf dieser Veranstaltung sogar davon, dass man selbst einen (Teil-)Rückbau der Maaßenstraße in Erwägung ziehe.

Täglich Hupkonzerte

„Am Umbau der Maaßenstraße sind die Anwohner Schuld!“  (Thomas Birk, Bündnis 90 / Die Grünen)

Auf einer weiteren Veranstaltung im August 2016, die durch die Initiative „Rolle rückwärts“ und Nollendorfkiez.de organisiert wurde,  wurden diese Versprechen – oder waren es gar Versprecher ? – wiederholt.

Ferner wurde den interessierten Besuchern dieser Veranstaltungen immer wieder glaubhaft versichert, dass es im Zuge der Evaluierungsmaßnahmen Befragungen der AnwohnerInnen geben werde, um diese in die Anpassungsmaßnahmen einzubeziehen.

Auf der Diskussionsveranstaltung wurde aber auch deutlich, dass die „Begegnungszone“ Maaßenstraße ein Pilotprojekt des Senats ist. Bei dem Projekt habe der Senat keine finanziellen Mittel für einen (Teil-)Rückbau und/oder Anpassungsmaßnahmen in die Kostenplanung einbezogen. Der Bezirk wollte daher prüfen, inwieweit er finanzielle Mittel für notwendige Anpassungsmaßnahmen zur Verfügung stellen könne.

Nunmehr schieben sich Senat und Bezirk die Verantwortlichkeiten gegenseitig zu. Von den einstigen Aussagen ist man zum derzeitigen Zeitpunkt weit entfernt. Mit dem Umbau der Maaßenstraße zur „Begegnungszone“ ist die Straße nicht attraktiver geworden.

Der Umbau der Maaßenstraße zur „Begnungszone“ hat den Steuerzahler 1,3 Millionen EUR gekostet! 800.000 EUR entfallen auf die Umbaumaßnahmen und 500.000 EUR auf die Planungskosten.  Mit den Steuergeldern hätte man Sinnvolleres anfangen können. Täglich, mehrfache Hupkonzerte begleiten seit dem Umbau das trostlose Erscheinungsbild der Maaßenstraße.
Begegnen will sich hier niemand!

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4 Kommentare

  1. Die Anwohner sind schuld?

    Klar, ich als Politiker bin’s nicht gewesen.

    Unsereins als Anwohner, die immer noch hier wohnen, wurden nicht gefragt. Ich kenne auch keinen Nachbarn, der gefragt wurde, ob solch eine Begegnungszone hierhin soll.

    Viel schlimmer noch, dass die Politiker behaupten, die Anwohner seien Schuld und ein versprochener Rückbau nicht durchgeführt wird.

    Die Begegnungszone ist weder ästhetisch, noch sinnvoll noch weiss man, wie sich verschiedene Verkehrsteilnehmer darin bewegen sollen.

    Seitdem die Zone da ist, fühlt man sich als Fussgänger, als auch als Fahrradefahrer und Autofahrer unsicher und gestresst, weil man nicht weiss, wer jetzt wie auf wen zu achten hat, wir z.B. wer Vorfahrt hat.
    Auch der fehlende Zebrastreifen zwischen Winterfeldplatz und Maaßenstraße – unverantwortlich, da diese Stelle schlecht einsehbar ist.

    Die Autos stauen sich, es stinkt nach Abgasen, Hupkonzerte, Agressivität – das war vorher nicht der Fall.
    Dazu die fehlenden Parkplätze, die einen echt sauer machen als Anwohner, weil man oft erst eine halbe Stunde nach einem freien Platz suchen muss. Keineswegs umweltfreundlich!
    Und der Garant, einen Kiez und seine Geschäfte kaputt zu machen.

    Die ‚Sitz’zonen sind zugemüllt, Penner und Partyvolk lungern herum.

    Dazu die gepflasterten Bereiche, in denen das Wasser viel zu hoch steht, wenn es regnet und man als Fußgänger kaum die Strasse queren kann, ohne pitschnasse Füße zu haben.

    Eine einstmals schöne lebendige Kiezstrasse ist zu einer hässlichen, sinnlosen Gelderverschwendung mutiert, weil irgendwelche Politiker sich verwirklichen wollen.

    Ich rufe zum Volksentscheid zum Rückbau und Verhinderung weiterer hässlich sinnloser Begegnungszonen in Berlin auf – wir brauchensoetwas nicht!!!

    Ein Fall für Mario Barth deckt auf!!!

    Rettet die Kiezstrassen sowie öffentliche Begegnungspunkte!

    KEINE BEGNUNGSZONE IM WINTERFELDTKIEZ!

  2. 1,3 Millionen! Und gegenüber rund ums die Kirche nur ein einzige Mensch mit ein paar Helfer hat ein wunderschönes Garten gemacht
    , wo er Blumen und Pflege- alles auf eigene Kosten macht.

Dein Kommentar wäre toll!