Die bunt bestrickten Poller sind wieder da

bunt bestrickten Poller

Seit einigen Jahren verschönern pünktlich zur Zeitumstellung selbstgestrickte „Mützchen“ einige Poller in der Stadt. In den letzten Jahren waren sie vorwiegend in der Kurfürstenstraße zu sehen.

Aber auch in der Winterfeldtstraße Ecke Zietenstraße erhielten die Poller dort im letzten Jahr ihr bestricktes Gewand. Ebenso in anderen Bezirken der Stadt waren die bestrickten Poller zu sehen. In diesem Jahr wurden die Poller in der Begegnungszone Maaßenstraße mit diesen bunten „Mützchen“ versehen.

Michael Zöllner schrieb dazu heute im Live-Ticker der BZ-Berlin:

Guerilla-Knitting (… ist eine Form der Streetart, bei der Gegenstände im öffentlichen Raum durch Stricken verändert werden – Anm. der Red.) in der hässlichen Begegnungszone in der Maaßenstraße (Schöneberg): Die Poller haben gestrickte Hütchen bekommen, die irgendwie an Präservative erinnern…

Die Aktion wurde von Renate S. vor einigen Jahren ins Leben gerufen. Mit ihren fleißigen Helfer_innen strickt sie in den Sommermonaten über hundert dieser bunten „Mützchen“ und bringt sie pünktlich zur Zeitumstellung an diversen Pollern in der Stadt an. Dort verbleiben sie, bis die Uhrzeit wieder auf Sommerzeit umgestellt wird. Danach werden die „Mützchen“ wieder abgenommen, ausgebessert und neue gestrickt, um im nächsten Jahr wieder angebracht zu werden.

bunt bestrickten PollerDie bunten „Mützchen“ verschönern in der dunklen Jahreszeit nicht nur das Stadtbild – sie haben auch noch einen tieferen Sinn. Auf die Idee kam Renate S. als sie sich mit einer Freundin unterhielt. Dagmar B. wohnt in unserem Nollendorfkiez und hat ein stark eingeschränktes Sehvermögen. Durch ihre Sehbehinderung kann Dagmar B. in der dunklen Jahreszeit die grauen Poller nicht ausreichend wahrnehmen und ist schon oft gegen sie gelaufen und hat sich dadurch einige blaue Flecken zugezogen. Da es Sachbeschädigung wäre, die Poller zu bemalen, kam Renate S. die Idee, die Poller bunt zu bestricken. Seitdem die Poller in der dunklen Jahreszeit ihre farbigen „Mützchen“ erhalten, kann Dagmar B. und auch andere Menschen mit starker Sehbehinderung die Poller viel besser wahrnehmen.

Einige belächeln die bunt bestrickten Poller und assoziieren sie mit Präservativen, aber in Wirklichkeit steckt eine kleine Geschichte der Nachbarschaftshilfe dahinter. Ich finde die Idee toll und danke Renate S. und ihre Helfer_innen, dass sie sich jedes Jahr diese Mühe machen.

Leider soll es wohl in diesem Jahr zum letzten Mal diese Aktion gegeben haben. Wenn ich Renate S. mal wieder treffe, werde ich sie dazu befragen. Ich würde es sehr bedauern, wenn in den kommenden Jahren die bunten „Mützchen“ auf den Pollern fehlen würden.

nollendorfkiez

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