Angelika Schöttler eröffnete Berlins erste Begegnungszone

Begegnungszone

Ein eindrucksvolles Erlebnis war am Montag für ungefähr 200 Anwesende die feierliche Eröffnung der „Begegnungzone Maaßenstraße“.
Wie eine Posse aus DDR-Zeiten mutete die Eröffnung der ersten Berliner Begegnungszone in der Schöneberger Maaßenstraße an. Die Berliner Straßenbauer lagen gut im Plan. Dank hoher Leistungen der Werktätigen der Fa. STRABAG konnte die Straße (fast) termingerecht übergeben werden.

In alter DDR-Manier wurde wie vor jedem Besuch der Politprominenz auch hier die Straße von den Werktätigen Tage zuvor auf Hochglanz gebracht. Da wurde gefegt bis kein Krümel Sand mehr auf der Straße lag. Die grünen Pflastersteine wurden gegossen, damit sie im satten grün leuchteten und die farbigen, von den Anwohnern bemalten Betonklötzer, wurden nochmal feucht abgewischt. Vor dem Café Berio gab es Hochtische, gelbe Luftballons, Brezeln, Saft und Wasser. Ein Glas Sekt hätte man kostenpflichtig bestellen können. Eine kleine Tribüne war aufgebaut.

BegegnungszoneEinzig die früher anwesenden Jungen Pioniere mit ihren blauen Halstücher und die FDJ-Mitglieder fehlten, die den anwesenden Politikern rote Nelken für die schöne neue Straße überreichten und artig sagten: „Wir wollen hier gut spielen und die Straße immer sauber halten.“ Zudem vermisste ich die sonst üblichen Winkelemente. Wie es sich für eine feierliche Straßeneröffnung gehört, gab es ein rotes Flatterband, welches gemeinschaftlich durchschnitten wurde.

Eröffnung der Begegnungszone

Die feierliche Übergabezeremonie wurde von Verkehrsstaatssekretär, Christian Gaebler (SPD) eröffnet. Er verkündete dem anwesenden Volk: „Mit der Fertigstellung dieser ersten Begegnungszone ist ein wichtiger Schritt zur weiteren Stärkung des Fußverkehrs in unserer Stadt vollzogen.“ In seiner weiteren Ansprache betonte Gaebler, dass es sich um ein Modellprojekt handelt, welches in den nächsten 1-2 Jahren eng begleitet wird. „Wir haben die Umbaumaßnahmen so gehalten, dass eventuelle Nachbesserungen ohne großen finanziellen Mehraufwand möglich sind.“

Das erinnerte mich stark an die Aussagen vom Projektleiter Horst Wohlfarth von Alm, der sinngemäß mal sagte: „Wenn das alles nicht funktioniert, dann bauen wir die Straße eben wieder zurück.“ Wo war er eigentlich? Ich habe ihn bzw. andere Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bei der Übergabezeremonie nicht gesehen.

Gaebler betonte weiter „die Begegnungszone sei nicht von oben verordnet worden. Es habe einen langen Beteiligungsprozess gegeben.“

Bezirksbürgermeisterin, Angelika Schöttler (SPD), freute sich, dass „die Straße als solche nicht mehr zu erkennen sei, wie sie früher aussah“ und „sie freue sich, hier künftig flanieren zu können.“ Sie sagte weiter, dass „seit Ende 2013 sich mehr als 2500 Bürger zu Wort gemeldet haben. Es gab Diskussionsabende, ein Online-Forum und geführte Rundgänge.“

Bei so vielen Wortmeldungen von Bürgern ist es natürlich auch verständlich, dass unsere Bezirksbürgermeisterin, den von uns vor 6 Monaten verfassten und von mehreren Anwohner_innen unterschriebenen Brandbrief bis zum heutigen Tag nicht beantwortet hat. Ein Armutszeugnis wie ich finde. Da beteiligen sich mehrere Anwohner_innen aktiv und werfen berechtigte Fragen auf und das Demokratieverständnis unserer Bezirksbürgermeisterin ist es, diesen Brief unbeantwortet zu lassen.

Schulhof in Marzahn

Jost Müller vom Restaurant „Eckstein“ wurde vom Tagesspiegel interviewt und nannte die Maßnahmen „groben Unfug“:

Die Verkehrsberuhigung sei richtig, aber „man hätte sie auch mit viel einfacheren Mitteln umsetzen können“. Durch den Parkplatzmangel könne der Wochenmarkt auf dem Winterfeldtplatz an Attraktivität verlieren. Die Neugestaltung sei auch „nicht schön“ und wirke „wie ein Schulhof in Marzahn“.

Falschparker und Tempo 20

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Das rbb-Team im Halteverbot der neuen Begegnungszone

Durch die verschwenkte Fahrbahn soll die Maaßenstraße entschleunigt und Raser ausgebremst werden. Das vermeintlich gute Konzept scheint bisher nicht aufzugehen. Jedenfalls haben sich bis auf wenige Ausnahmen bisher keine Autofahrer an die neue Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h gehalten. Einige bewiesen sogar, dass man trotz Verschwenkung weiterhin deutlich zu schnell durch die Maaßenstraße fahren kann.

Noch in Anwesenheit der Politprominenz wurde die Lieferzone von ersten Falschparkern eingeweiht und auf der verschmalerten Straße standen am Abend auch die ersten Autos im Halteverbot. Selbst das Team vom rbb scheint das Konzept der Begegnungszone nicht verstanden zu haben, als sie ihr Equipment verstauten

Abendschau berichtete

In der gestrigen Ausgabe der Abendschau berichtete der rbb von der Begegnungszone. Wer die Sendung verpasst hat, kann sie sich hier anschauen.

Umbaumaßnahmen noch nicht beendet

Noch sind die Umbaumaßnahmen nicht endgültig abgeschlossen. Nach Beendigung der Feierlichkeiten zur Eröffnung der Maaßenstraße rollte der Bagger wieder an und die Werktätigen der Fa. STRABAG schippten Sand auf die zuvor penibel gesäuberte Straße. Das mutete wie ein Schildbürgerstreich an und auch die Bauarbeiter konnten nur mit den Augen rollen. „Die Straße ist noch nicht fertig. Die Fugen zwischen den neuen Pflastersteinen müssen noch verfüllt werden.“ teilte mir einer der Bauarbeiter mit und verteilte den aufgebrachten Sand fröhlich mit einem Besen.

Von den 50 vorgesehenen Fahrradbügeln, die Platz für 100 Fahrräder bieten, waren auch noch nicht alle installiert. Die restlichen werden in den kommenden Tagen montiert. Zudem fehlen noch 20 Betonklötzer, die in den nächsten Tagen angeliefert und bemalt werden müssen. Insgesamt werden die Bauarbeiten voraussichtlich noch bis Jahresende dauern.

Initiative Kiezkultur

Initiative Kiezkultur

Bei der Eröffnungsfeier waren auch Vertreter der Initiative Kultur „Rettet das Theater am Winterfeldtplatz“ anwesend. Seit über einem Jahr kämpfen die Initiatoren für den Erhalt des Puppentheaters „Hans Wurst Nachfahren“ als Spielstätte. Bei der Online-Petition der Initiative haben 15.574 Anhänger der Hans Wurst Nachfahren mit Ihrer Unterschrift für den Fortbestand des Theaters am Winterfeldtplatz votiert. Die Initiative ist mit dem Investor im Gespräch und sucht derzeit einen Ersatzstandort für sein, in den Räumlichkeiten des Theaters, geplantes Tonstudio.

 

Nun ist sie da unsere neue Begegnungszone. Konntet ihr Euch schon selbst ein Bild machen? Schreibt doch mal bitte Eure Erfahrungen unten in die Kommentare!

9 Kommentare

  1. Danke für das Angebot, Herr Steuckardt. Ich bin seit Monaten mit Herrn Schneider, dem Assistenten von Frau Schöttler, in telefonischen Kontakt. Er teilte mir im August mit, dass der Mitarbeiter, der den Brief beantworten sollte, erkrankt sei. Er hätte die Beantwortung nun übernommen, ihm wäre aber das Thema und der Kiez unbekannt und daher muss er sich bei den verschiedenden Fachbereichen erst „sachkundig“ machen. Ich werde ihn mal die Tage anrufen und fragen, ob er auf unserem Brief nunmehr eingeschlafen ist oder das Thema so speziell ist, dass man dafür erst ein Studium absolvieren muss

  2. Super Artikel, lieber Gregor, ich hab mich köstlich amüsiert, allerdings werden ihn an bestimmten Stellen nur „Ossis“ verstehen und darüber lachen. Bei mir kamen jedoch sofort Erinnerungen auf, grins.Ansosten, warten mir mal ab. Interessant sind die Gespräche mit Anwohnern in der Begegnungszone und den angrenzenden Geschäften. Soviel hab ich mich noch nie unterhalten. Frage, liegt es an der Begegnungszone oder am Thema „Was ist hier eigentlich passiert“. Leider hab ich noch keinen Menschen getroffen, der wirklich positives Feedback gab. Skepsis überall, also, wie gesagt abwarten und sich begegnen.

  3. schwachsinnsaktion frau schöttler sollte dringend an dem arbeiten was man als gepflegtes äusseres bezeichnet schlimm sieht die aus

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